LITERATUR: LITERATUR!


Géraldine Schwarz: 
DIE GEDÄCHTNISLOSEN
Erinnerungen einer Europäerin

Moderation: Claus Leggewie

Donnerstag, 14. März 2019, 20.00 Uhr
Ort wird noch bekanntgegeben

Géraldine Schwarz schreibt mit Die Gedächtnislosen Geschichte, europäische Geschichte. Ihre hochaktuelle These: Die rechtspopulistischen Strömungen in Europa lassen sich damit erklären, wie der Kontinent nach dem letzten großen Krieg sich mit seiner Geschichte auseinandergesetzt hat. Zur Veranschaulichung verknüpft die in Frankreich aufgewachsene deutsch-französische Autorin ihre Familiengeschichte mit der großen Geschichte und stellt dazu reiches Quellenmaterial in überraschend aufschlussreiche Zusammenhänge.
Géraldine Schwarz entdeckt eines Tages, dass ihr deutscher Großvater, ein Mitglied der NSDAP, 1938 ein jüdisches Unternehmen in Mannheim im Zuge der Arisierung erworben hat. Nach dem Krieg weigert sich Karl Schwarz, dem einzigen Überlebenden der in Auschwitz ermordeten Fabrikantenfamilie, Julius Löbmann, Reparationen zu zahlen. Hier beginnt ihre Recherche über drei Generationen ihrer Familie, dabei stets mit der Frage, wie die Verwandten und andere sich der Vergangenheit stellten – auch in Frankreich, denn bald erfährt die Autorin, dass ihr Großvater mütterlicherseits unter dem Vichy Regime in einem Gebiet als Gendarm gedient hat, in dem Franzosen mit Razzien nach Juden suchten.
Überdeutlich sind für sie die Unterschiede beim Umgang mit der nationalen Geschichte: Während in Deutschland Mitläufertum und Mittäterschaft zu bestimmenden Themen wurden, blendeten die Franzosen sie weitgehend aus. In der Bundesrepublik entstand auf dieser Grundlage ein differenziertes Verständnis individueller Verantwortung in einer Demokratie und ein kollektives Bewusstsein für die Gefahren rechtspopulistischen Denkens. Gerade die Willkommenskultur gilt ihr als Ausdruck eines an der Geschichte geschulten europäischen Humanismus. Die Kehrseite dieser These zeigt sich europaweit: Wo die Auseinandersetzung mit der Kollaboration spät oder so gut wie gar nicht stattgefunden hat, erstarken die Parolen des Rechtspopulismus umso unkontrollierter.
Die Gedächtnislosen ist ein sehr persönliches Werk der Erinnerungskultur. Mit beispielhafter Sorgfalt plädiert dieses Buch für eine Fortführung der Gedächtnisarbeit, um den völkischen und nationalistischen Tendenzen entgegenzuwirken. Eines der besten und gleichzeitig provozierendsten Beispiele dieser Arbeit liefert es selbst.
Géraldine Schwarz, geb. 1974 in Straßburg, lebt in Berlin. Journalistin und Dokumentarfilmerin. Buchveröffentlichung, zuletzt: Die Gedächtnislosen (2018).

Eine Veranstaltung im Rahmen von LITERATUR: LITERATUR!
in Kooperation von Literarischer Gesellschaft Ruhr e.V.
Schreibheft, Zeitschrift für Literatur, und Buchhandlung Proust

Gefördert von der Alfred und Claire Pott Stiftung

 

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FERIDUN ZAIMOGLU: DIE GESCHICHTE DER FRAU
Begrüßung: Beate Scherzer

Donnerstag, 9. Mai 2019, 20.00 Uhr
Buchhandlung Proust

Ein literarisches Abenteuer, ein großer Gesang, ein feministisches Manifest: Feridun Zaimoglus neuer Roman ist ein unverfrorenes Bekenntnis zur Notwendigkeit einer neuen Menschheitserzählung – aus der Sicht der Frau.
Dieses Buch erzählt eine unerhörte Geschichte. Es lässt zehn außerordentliche Frauen zur Sprache kommen vom Zeitalter der Heroen bis in die Gegenwart. Es sind Menschen, deren Sicht auf die Dinge nicht überliefert wurde. Weil Männer geboten, die Wahrheit tilgten und die Lüge zur Sage verdichteten. Diesen Frauen war es vorbehalten, schweigend unsichtbar zu bleiben oder dekorativ im Bild zu stehen. Doch nun sprechen sie – klar und laut, wie eine abgefeuerte Kugel.
Zaimoglu zeigt sich in seinem neuen Roman erneut als ein Meister der Vielstimmigkeit. Was ihm dabei gelingt, ist ein regelrechtes Wunder. Die Figuren dieses Buches klingen nicht nur lebendig – sie werden es: von Antigone über Judith bis Valerie Solanas. Kraftvoll, poetisch und subversiv. Kein Friedensangebot. Keine Schmeichelei. Tabula Rasa!
Folgende Frauen kommen zu Wort: Zippora 1490 v. Chr. – schwarzhäutige Frau des Moses / Antigone Zeitalter der Heroen – Streiterin gegen Gewaltherrschaft / Judith 6. Tag nach der Auferstehung – Jüngerin Jesu, Frau des Judas / Brunhild 429 – zaubermächtige Walküre, Kriegerkönigin / Prista Frühbottin 1540 – heilkundige Frau, der Hexerei bezichtigt / Lore Lay 1799 – Magd, die sich vom Dichter nicht bannen lässt / Lisette Bielstein 1849 – rote Fabrikantentochter / Hildrun Tilmanns 1945 – Trümmerfrau / Leyla 1965 – Gastarbeiterin der ersten Stunde / Valerie Solanas 1968 – Feministin, die zur Waffe greift
Feridun Zaimoglu, geboren 1964 im anatolischen Bolu, lebt seit seinem sechsten Lebensmonat in Deutschland. Er studierte Kunst und Humanmedizin in Kiel, wo er lebt.  Nach Leyla, Liebesbrand und Siebentürmeviertel erschien zuletzt sein großer Luther-Roman Evangelio.

Eine Veranstaltung im Rahmen von LITERATUR: LITERATUR!
in Kooperation von Literarischer Gesellschaft Ruhr e.V.
Schreibheft, Zeitschrift für Literatur, und Buchhandlung Proust

Gefördert von der Alfred und Claire Pott Stiftung

 

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RAYMOND QUENEAU: ZAZIE IN DER METRO
Erstmals vollständig und neu übersetzt

Ein Abend mit dem Übersetzer Frank Heibert
Moderation: Norbert Wehr

Montag, 17. Juni 2019, 20.00 Uhr
Buchhandlung Proust

Eine hinreißende, brillante Komödie! (Roland Barthes)

Madame Lalochère will ungestörte Stunden mit ihrem Liebhaber verbringen. Deshalb übergibt sie ihre Tochter Zazie gleich bei der Ankunft an der Gare d’Austerlitz ihrem Bruder Gabriel, der als Frauendarsteller in einem Nachtclub arbeitet. Bei ihrem Onkel lernt die schelmische, unflätige Zazie Gabriels Frau Albertine kennen, den Taxifahrer Charles, Turandot, dem die Kneipe unten im Haus gehört, die Kellnerin Mado, den Papagei Laverdure und vor allem das überbordende Paris selbst. Zazie aber hat einen einzigen innigen Herzenswunsch – sie will einmal im Leben mit der Metro fahren! Doch die wird ausgerechnet an diesem Wochenende bestreikt. Dachten wir bisher! Aber nach sechzig Jahren kommt hier die erweiterte Ausgabe des Romans, mal schauen, was da passiert …
Zazie in der Metro ist eine mitreißend wilde, verspielt und deftig erzählte Geschichte über Paris, über die Sprachen des Alltags und über die hinreißende, abenteuerlustige, neunmalkluge Zazie, die so ziemlich alles auf den Kopf stellt.
Raymond Queneau, geb. 1903 in Le Havre, gest. 1976 in Paris, hinterließ ein umfangreiches, vielgestaltiges Werk. Von 1924 bis 1929 gehörte er zur Gruppe der Surrealisten, ab 1961 war er Mitglied von „Oulipo“, der „Werkstatt für potentielle Literatur“, zusammen u.a. mit Georges Perec und Harry Mathews.
Frank Heibert, geb. 1960 in Essen, lebt in Berlin. Übersetzer aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Portugiesischen, u.a. von Don DeLillo, Richard Ford, Alfred Jarry, George Saunders, Boris Vian und Tobias Wolff.

Eine Veranstaltung im Rahmen von LITERATUR: LITERATUR!
in Kooperation von Literarischer Gesellschaft Ruhr e.V.
Schreibheft, Zeitschrift für Literatur, und Buchhandlung Proust

Gefördert von der Alfred und Claire Pott Stiftung

 

05. Dezember 2018 von literadmin
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