LITERATUR: LITERATUR! / JANUAR – MÄRZ 2019


POETISCH DENKEN – Christian Metz und Steffen Popp

im Gespräch über zeitgenössische Dichtung
Moderation: Norbert Wehr

Donnerstag, 17. Januar 2019, 20.00 Uhr
Buchhandlung Proust

In Zukunft wird man die ersten zwei Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts als Blütezeit der deutschsprachigen Lyrik bestaunen. Kurioserweise sieht es so aus, als müßten die meisten von uns dann feststellen, überhaupt nichts davon mitbekommen zu haben. In seinem Pionier-Buch Poetisch Denken führt Christian Metz systematisch in diese Hochzeit ein: Welche Eigenschaften zeichnet die Lyrik der Gegenwart aus? Was macht sie neu? Und was läßt sich entdecken, wenn man mit Monika Rinck, Jan Wagner, Ann Cotten und Steffen Popp vier wichtigen Autorinnen und Autoren in ihre poetischen Arbeiten folgt?

Christian Metz,
geb. 1975, Literaturwissenschaftler und Kritiker, lebt in Frankfurt. Buchveröffentlichung, zuletzt: Poetisch Denken. Die Lyrik der Gegenwart (2018).
Steffen Popp, geb. 1978, Schriftsteller und Übersetzer (u.a. von Elizabeth Bishop und Ben Lerner), lebt in Berlin. Buchveröffentlichung, zuletzt: Spitzen. Gedichte. Fanbook. Hall of Fame (Hg., 2018)

Eine Veranstaltung im Rahmen von LITERATUR: LITERATUR!
in Kooperation von Literarischer Gesellschaft Ruhr e.V.
Schreibheft, Zeitschrift für Literatur, und Buchhandlung Proust

Gefördert von der Alfred und Claire Pott Stiftung

 


Arno Schmidt / Hans Wollschläger

DER BRIEFWECHSEL
Eine Leseperformance von Bernd Rauschenbach

und Joachim Kersten
Einführung: Giesbert Damaschke
Begrüßung: Norbert Wehr

Mittwoch, 13. Februar 2019, 20.00 Uhr
Buchhandlung Proust

… das wird ohnehin mal ein schwermütiger Spaß werden, wenn unsere Correspondenz (wie es ja gar nicht ausbleiben kann) gedruckt erscheint … (Arno Schmidt an Hans Wollschläger)
Sie sehen, daß ich mich höchstmöglicher Präzision befleißige: im Interesse der ›begierig zuhorchenden Nachwelt‹ … (Hans Wollschläger an Arno Schmidt)

Eine einzigartige Korrespondenz beginnt im September 1957 zwischen Arno Schmidt und dem jungen Mitarbeiter des Karl-May-Verlags, Hans Wollschläger. Zu Beginn kreist der Briefwechsel, noch förmlich, um das Spätwerk Karl Mays und die umstrittenen Bearbeitungen der Texte durch den Verlag. Doch schon bald wird der Kontakt intensiver und persönlicher, der Ton freier. Wollschläger nimmt unter Arno Schmidts Briefpartnern eine Sonderstellung ein: Schmidt akzeptiert ihn als Kollegen und bemüht sich, ihn als Autor und Übersetzer zu fördern. Er vermittelt Aufträge und setzt sich nachdrücklich für seinen Roman Herzgewächse oder der Fall Adams ein. 1964 beginnen sie damit, das Gesamtwerk Edgar Allan Poes ins Deutsche zu übersetzen. Nicht in gemeinsamer Arbeit, aber in regelmäßigem Austausch über Autor und Werk. Erst als Schmidt sich in die Arbeit an Zettel’s Traum zurückzieht, wird der Kontakt spärlicher, bis Schmidt völlig verstummt.

Gustav Seibt in der Süddeutschen Zeitung: „Die beiden können nicht anders als die Muskeln ihrer grenzenlosen Sprachfähigkeit unentwegt spielen zu lassen.“

Bernd Rauschenbach
ist Literaturwissenschaftler, Autor und Rezitator. Seit 1982 leitet er die Arno-Schmidt-Stiftung und ist Mitherausgeber der Werke Arno Schmidts.
Joachim Kersten ist Rechtsanwalt, Autor, Herausgeber und Rezitator.

Eine Veranstaltung im Rahmen von LITERATUR: LITERATUR!
in Kooperation von Literarischer Gesellschaft Ruhr e.V.
Schreibheft, Zeitschrift für Literatur, und Buchhandlung Proust

Gefördert von der Alfred und Claire Pott Stiftung

 

 

Géraldine Schwarz: DIE GEDÄCHTNISLOSEN
Erinnerungen einer Europäerin

Moderation: Claus Leggewie

Donnerstag, 14. März 2019. 20.00 Uhr
Ort wird noch bekanntgegeben

Géraldine Schwarz schreibt mit Die Gedächtnislosen Geschichte, europäische Geschichte. Ihre hochaktuelle These: Die rechtspopulistischen Strömungen in Europa lassen sich damit erklären, wie der Kontinent nach dem letzten großen Krieg sich mit seiner Geschichte auseinandergesetzt hat. Zur Veranschaulichung verknüpft die in Frankreich aufgewachsene deutsch-französische Autorin ihre Familiengeschichte mit der großen Geschichte und stellt dazu reiches Quellenmaterial in überraschend aufschlussreiche Zusammenhänge.
Géraldine Schwarz entdeckt eines Tages, dass ihr deutscher Großvater, ein Mitglied der NSDAP, 1938 ein jüdisches Unternehmen in Mannheim im Zuge der Arisierung erworben hat. Nach dem Krieg weigert sich Karl Schwarz, dem einzigen Überlebenden der in Auschwitz ermordeten Fabrikantenfamilie, Julius Löbmann, Reparationen zu zahlen. Hier beginnt ihre Recherche über drei Generationen ihrer Familie, dabei stets mit der Frage, wie die Verwandten und andere sich der Vergangenheit stellten – auch in Frankreich, denn bald erfährt die Autorin, dass ihr Großvater mütterlicherseits unter dem Vichy Regime in einem Gebiet als Gendarm gedient hat, in dem Franzosen mit Razzien nach Juden suchten.
Überdeutlich sind für sie die Unterschiede beim Umgang mit der nationalen Geschichte: Während in Deutschland Mitläufertum und Mittäterschaft zu bestimmenden Themen wurden, blendeten die Franzosen sie weitgehend aus. In der Bundesrepublik entstand auf dieser Grundlage ein differenziertes Verständnis individueller Verantwortung in einer Demokratie und ein kollektives Bewusstsein für die Gefahren rechtspopulistischen Denkens. Gerade die Willkommenskultur gilt ihr als Ausdruck eines an der Geschichte geschulten europäischen Humanismus. Die Kehrseite dieser These zeigt sich europaweit: Wo die Auseinandersetzung mit der Kollaboration spät oder so gut wie gar nicht stattgefunden hat, erstarken die Parolen des Rechtspopulismus umso unkontrollierter.
Die Gedächtnislosen ist ein sehr persönliches Werk der Erinnerungskultur. Mit beispielhafter Sorgfalt plädiert dieses Buch für eine Fortführung der Gedächtnisarbeit, um den völkischen und nationalistischen Tendenzen entgegenzuwirken. Eines der besten und gleichzeitig provozierendsten Beispiele dieser Arbeit liefert es selbst.

Géraldine Schwarz, geb. 1974 in Straßburg, lebt in Berlin. Journalistin und Dokumentarfilmerin. Buchveröffentlichung, zuletzt: Die Gedächtnislosen (2018).

Eine Veranstaltung im Rahmen von LITERATUR: LITERATUR!
in Kooperation von Literarischer Gesellschaft Ruhr e.V.
Schreibheft, Zeitschrift für Literatur, und Buchhandlung Proust

Gefördert von der Alfred und Claire Pott Stiftung

05. Dezember 2018 von literadmin
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