LITERATUR: LITERATUR!

DIALOGE
Eine Reihe der Literarischen Gesellschaft Ruhr
in Kooperation mit der Literarischen Gesellschaft Köln

Yoko Tawada: Sendbo-o-te
Moderation: Ulrike Janssen
22. Januar 2020, 20.00 Uhr
Buchhandlung Proust

Keine Dystopie, aber auch kein aufmunternder Durchhalteroman. Eine Erzählung über das Leben unter dem Aspekt seiner Unentrinnbarkeit. Ein existentialistischer Roman ohne Pathos.
Peter Pörtner

Nach der Katastrophe hat Japan alle Verbindungen zur Außenwelt gekappt. Yoshiro stellt sich manchmal vor zu reisen. Aber selbst wenn er es könnte, würde er nicht verreisen, denn er kümmert sich mit großer Liebe um seinen Urenkel Mumey.
Alle Kinder in der Zeit werden krank geboren, zugleich sind sie weise und fröhlich, ein Hoffnungsschimmer, aber ihr Leben hängt am seidenen Faden. Nur die Uralten leben immer länger. Yoshiro, einer dieser „alten Alten“, war als Student mit einer Frau aus Deutschland befreundet. Manchmal fragt er sich, ob sich die Umwelt dort auch so verändert hat wie in Japan. Wie es deren Urenkeln geht.
Als der Alltag schwieriger wird, versucht eine geheime Organisation, ausgewählte Kinder als „Sendboten“ ins Ausland zu schmuggeln, zu Forschungszwecken.
Die Auswirkungen sind nur in kleinen Details zu spüren, die beim Lesen erst nach und nach, dafür umso eindringlicher, ins Bewusstsein sickern – erzählt in der leichten, glasklaren Sprache Yoko Tawadas.
Es schimmern viele andere Geschichten durch: wie Japaner und wie Europäer mit Katastrophen umgehen, „japanische Psyche“, Historisches … Geschichten und Bewegungen laufen parallel, queren sich, kommen zusammen, steuern auf das Ende zu.

Yoko Tawada, geb. 1960 in Tokyo, lebt in Berlin. Schriftstellerin; schreibt in deutscher und japanischer Sprache.
Buchveröffentlichungen, zuletzt: Etüden im Schnee, akzentfrei, Ein Balkonplatz für flüchtige Abende und Sendbo-o-te.

Eine Kooperationsveranstaltung von Literarische Gesellschaft Ruhr
mit Literarische Gesellschaft Köln
sowie Schreibheft, Zeitschrift für Literatur
und Buchhandlung Proust

Gefördert von der Kunststiftung NRW

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Ernst-Wilhelm Händler: Das Geld spricht
Moderation: Hermann Wallmann
Donnerstag, 13. Februar 2020, 20.00 Uhr
Buchhandlung Proust

Ich bin die erfolgreichste Sprache, die es gibt
Das Geld

Ein erfolgreicher Tech-Gründer möchte 500 Millionen Dollar aus seinem Börsengang anlegen und beauftragt damit einen Frankfurter Banker. Wem soll dieser die enorme Summe anvertrauen? Dem Hedgefonds eines Mathematikers, der gemeinsam mit seinem verschwundenen Bruder hochkomplizierte Modelle entwickelt hat? Einem Selfmademan, der die Zeit anhalten möchte? Oder einer intuitiven und kapriziösen Düsseldorfer Fondsmanagerin?
Bevor die endgültige Entscheidung über die 500 Millionen fällt, bestellt der Gründer den Banker nach New York. Der Banker hofft, dort auch seine Freundin zu treffen. Er weiß nicht, ob er seine Freundin bereits verloren hat oder erst verlieren wird.
Die Rede ist von Sehnsuchtsorten in den Hamptons, von junger chinesischer Kunst und von Frankfurter Tabledance-Bars. Aber vor allem von Menschen, die an die Grenzen ihrer Fähigkeiten und ihrer Gefühle gehen.
Das Geld selbst erzählt. Es strotzt vor Selbstbewusstsein und fühlt sich zugleich unverstanden und gekränkt. Aber es weiß, dass „Finance“ mehr mit Ideen, Träumen, Poesie und Kunst zu tun hat als mit Wirtschaftswissenschaft.

Der Kapitalismus dringt ins Innerste der Menschen vor: Wenn mich das nicht bedrücken würde, wäre ich nicht Schriftsteller geworden.
Ernst-Wilhelm Händler

Ernst-Wilhelm Händler, geb. 1953, lebt in Regensburg und München. Unternehmer und Schriftsteller.
Händler ist Autor der Romane München, Der Überlebende, Welt aus Glas, Die Frau des Schriftstellers, Wenn wir sterben, Sturm, Fall und Kongress sowie des Erzählungsbandes Stadt mit Häusern. Mit Versuch über den Roman als Erkenntnisinstrument hat er eine eigene Kulturtheorie vorgelegt, die selbst Züge eines Kunstwerks trägt. Darüber hinaus schreibt Händler Essays über ökonomische, gesellschaftliche und künstlerische Themen.

Eine Kooperationsveranstaltung von Literarische Gesellschaft Ruhr
mit Literarische Gesellschaft Köln
sowie Schreibheft, Zeitschrift für Literatur
und Buchhandlung Proust

Gefördert von der Kunststiftung NRW

 

05. Dezember 2018 von literadmin
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