Eine Veranstaltung der Literarischen Gesellschaft Ruhr
im Rahmen von LITERATUR: LITERATUR!
in Kooperation mit der Arno Schmidt Stiftung, Bargfeld
Gefördert von der Alfred und Claire Pott-Stiftung
LITERATUR: LITERATUR! … und andere Veranstaltungen
JUDITH SCHALANSKY: MARMOR, QUECKSILBER, NEBEL
Moderation: Hanna Engelmeier / KWI
Dienstag, 1. September 2026, 19.30 Uhr
LeseRaum Akazienallee, Essen
Es beginnt nicht mit einem weißen Blatt, sondern mit einem weißen Block, einem fast 27 Tonnen schweren Ungetüm aus massivem Marmor. Noch Monate nach der verhängnisvollen Begegnung auf einer Fähre vor der Insel Thassos lässt der Stein Judith Schalansky nicht los und führt sie auf eine schneeweiße Fährte in die Marmorbrüche und Bildhauerei-Ateliers, durch die dunkle, oft gewalttätige Geschichte von Materialgewinnung und Weltaneignung. Ein Workshop an der Kunsthochschule von Guadalajara wiederum gerät zu einer tollkühn-quecksilbrigen Performance als Apologetin der Buchkultur. Und die Rekonstruktion einer lang zurückliegenden Besteigung des meist nebelverhangenen Brockens verdichtet sich zu einer Enzyklopädie der Undurchsichtigkeit, die das Erhellende im Ungewissen sucht.
Wie immer bei Judith Schalansky geht es in ihrem neuen Buch um alles: den Nährwert von Marmorschweinen, das Gewicht der Erde, den Belegungsplan der Arche Noah, die Wahrhaftigkeit mexikanischen Wrestlings oder das Brockengespenst – um Phänomene also, in denen sich die widerspenstige Wirklichkeit spiegelt und vervielfacht. Ihre drei windungsreichen, immer überraschenden Texte, mal Essay, mal Erzählung, erkunden mit spielerischer Präzision die materiellen Bedingungen des Lebens und nicht zuletzt des eigenen Schreibens.
Karten in der Buchhandlung Proust
Eintritt: 15,- Euro
Eine Veranstaltung der Literarischen Gesellschaft Ruhr
im Rahmen von LITERATUR: LITERATUR!
in Kooperation mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen
Gefördert von der Alfred und Claire Pott-Stiftung
WOLFGANG CZIESLA: DIE KINDERWUNSCH-VARIATIONEN
Moderation: Thomas Böhm
Donnerstag, 1. Oktober 2026, 19.30 Uhr
LeseRaum Akzazienallee, Essen
Ein Vater keiner Kinder. Die Frage nach
dem Sinn des (Künstler-)Lebens. Nicht beantwortet, aber mit elegantem Humor umkreist.
Selbst in der interessierten Musikwelt ist nur sehr wenigen Menschen der Name Stoyke ein Begriff. Dabei hat dieser Mann sein ganzes Dasein der Musik gewidmet, alles lässt sich für ihn in Klängen denken. Aber bei nahendem Rentenalter ist es nicht der ausgebliebene Publikumserfolg, der sich ihm immer wieder in den Kopf drängt. Es sind die Kinder, die er nie hatte. Was wäre aus denen geworden? Mit welchen Frauen hätte er sie haben können, und warum ist es nie dazu gekommen? Was wäre er für ein Vater gewesen? Begegnungen mit echten Kindern sprechen jedenfalls nicht für großes Talent in dieser Hinsicht. So hadert Stoyke als meist freundlicher Verlierer und manchmal abgelenkt von Kompositionstagträumereien mit sich, sei es inmitten von Alltag und Irrwitz der Musikhochschule, an der er unterrichtet, oder bei der Suche nach dem verschollenen musikalischen Erbe alter Freunde, die vielleicht ebenfalls geheime Genies gewesen sind.
Karten in der Buchhandlung Proust
Eintritt: 15,- Euro
Eine Veranstaltung der Literarischen Gesellschaft Ruhr
in Kooperation mit dem Lilienfeld-Verlag
ULF STOLTERFOHT: RÜCKKEHR VON KRÄHE
Moderation: Norbert Wehr
Dienstag, 6. Oktober 2026, 19.30 Uhr
LeseRaum Akazienallee, Essen
Ulf Stolterfoht über seinen Band rückkehr von krähe: „Krähe ist kein lyrischer Frischling. Sein erster Auftritt fällt auf den Oktober 1970, als bei Faber & Faber Ted Hughes‘ Gedichtband Crow. From the Life and Songs of the Crow erscheint. Er habe mit Crow eine Sammlung von Liedern „with no music, in a super-simple and super-ugly language“ schreiben wollen, sagt Hughes – und war durchaus erfolgreich damit. Crow ist in seiner Dunkelheit und seiner schwer erträglichen Gewalttätigkeit ein singuläres Ereignis in der Lyrikgeschichte, was durch die Übersetzung von Elmar Schenkel spätestens 1986 auch im deutschsprachigen Raum wahrgenommen werden konnte. Ich selbst habe das Buch ein Jahr später gelesen, war schockiert und schwer beeindruckt zugleich, und wusste, dass ich so etwas irgendwann auch einmal versuchen wollte.
Bis dahin hat es nun fast vierzig Jahre gedauert – und herausgekommen ist natürlich etwas ganz anderes. rückkehr von krähe ist ein langes Abenteuergedicht in 14 Abteilungen, und von Ted Hughes‘ ursprünglicher Konzeption hat eigentlich nur der Protagonist überlebt: Krähe, eine Figur, von der wir nach wie vor nicht wissen, wen wir da eigentlich vor uns haben: einen Vogel, einen Menschen (und falls ja: einen Mann oder eine Frau?), eine Trickster-Gestalt, einen Gott oder einen Teufel. Elmar Schenkel hat seinem Nachwort zur deutschen Ausgabe von „Crow“ ein Zitat aus Franz Kafkas Zürauer Aphorismen vorangestellt, und gerne würde ich diese beiden Sätze auch für rückkehr von krähe in Anspruch nehmen: „Die Krähen behaupten, eine einzige Krähe könnte den Himmel zerstören. Das ist zweifellos, beweist aber nichts gegen den Himmel, denn Himmel bedeutet eben: Unmöglichkeit von Krähen.“
Christian Metz in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Mit rückkehr von krähe ist dem in Berlin lebenden Autor gelungen, was Hughes versagt blieb: eine epische Volkssaga zu dichten, eine Verserzählung von atemberaubendem Ausmaß, gargantuesker Überdrehung und überbordender Kombinationslust. Was für ein Werk! Was für eine außer Rand und Band geratenes, poetisches Schlaraffenland, bei dem einem die reifen Ideen von den porphyrischen Bäumen direkt in den Mund zu fallen scheinen.“
Karten in der Buchhandlung Proust
Eintritt: 15,- Euro
Eine Veranstaltung der Literarischen Gesellschaft Ruhr
im Rahmen von LITERATUR: LITERATUR!
Gefördert von der Alfred und Claire Pott-Stiftung
ARNO SCHMIDT: TAGEBÜCHER 1957-1962
Susanne Fischer und Jan Philipp Reemtsma
stellen die Edition vor
Dienstag, 20. Oktober 2026, 19.30 Uhr
LeseRaum Akazienallee, Essen
Arno Schmidt-Abende haben eine lange Tradition in Essen, hier lebte Schmidts Verleger und Lektor Ernst Krawehl, der Schmidts Werk von Das steinerne Herz (1956) bis zu Schmidts Tod 1979 verlegte und betreute.
Wir laden zum sechsten Abend ein, aus Anlass der Edition der Tagebücher Arno Schmidts. Jan Philipp Reemtsma und Susanne Fischer stellen die Edition vor.
„Ich also pflege mir, alle 4, 5 Jahre, ein fertiges ›Tagesnotizbuch‹ zu kaufen […] Format 11 mal 30; wo jeglicher Tag seine Seite hat; 34 Zeilen von 10 Zentimeter Länge. Aus der Dauer der Benützungszeit ergibt sich, daß auf jeden Tag durchschnittlich 6–8 Kurzzeilen entfallen; und das hier zuständige Gesetz lautet : je länger die Eintragung, desto wertloser der Tag.“ (Arno Schmidt)
Nur eines dieser Tagesnotizbücher von Arno Schmidt ist überliefert und jetzt erstmals komplett veröffentlicht worden. Es umfasst mit den Jahren 1957 bis 1962 den Umzug der Schmidts von Darmstadt nach Bargfeld ebenso wie die Entstehung der Romane Die Gelehrtenrepublik und Kaff auch Mare Crisium sowie der Erzählungen aus Kühe in Halbtrauer. Literarische Arbeit, Lektüren, Korrespondenz, Finanzsorgen, der Ehe-Alltag und die Belastungen des Umzugs – alles findet sich, äußerst verknappt, im Tagebuch wieder.Karten in der Buchhandlung Proust
Eintritt: 15,- Euro
